Torschreiber am Pariser Platz

Ein Stipendium der Allianz Kulturstiftung und der Stiftung Brandenburger Tor für Schriftsteller*innen im Exil

 

Torschreiber am Pariser Platz: Ein Zeichen für Freiheit und Sicherheit

Das kulturelle und intellektuelle Leben der Stadt Berlin ist schon immer geprägt von Menschen, die zureisten und von außen neu in die Stadt kamen. Zugang zur Stadt erhielten sie jahrhundertelang über die Stadttore. Dort begegneten sie den königlichen Torschreibern, die beim Betreten der Stadt nicht nur Steuern und Zölle erhoben, sondern auch die Personalien der Neuankömmlinge erfassten. Sie entschieden, wer Zugang zur Stadt erhielt – und gleichzeitig gaben sie Menschen Einlass, die die Stadtgesellschaft zutiefst geprägt und verwandelt haben.

Einer von ihnen war Moses Mendelssohn, der 1743 mit gerade 14 Jahren nach Berlin kam. Am Rosenthaler Tor – dem einzigen Tor, durch das Juden im Norden der Stadt Zutritt erhalten konnten – gelang es ihm mit einiger Mühe, die Stadt zu betreten. Er prägte eine ganze Epoche des Berliner Gesellschaftslebens und jüdisch-deutscher Geschichte.

Mit dem Stipendium Torschreiber am Pariser Platz knüpfen die beiden am Brandenburger Tor ansässigen Stiftungen an diese Erinnerung an und verbinden damit den permanenten Wandel einer Stadtgesellschaft durch neue Biographien und Geschichten. Unter neuen Vorzeichen: War die Funktion des Torschreibers früher ausschließend – er entschied, wer Zutritt erhielt und wer nicht –, wird nun eine Einladung daraus. Die Stadt öffnet sich und wird so ein Ort der Zuflucht für Schriftsteller*innen.

Eine Jury entscheidet im Oktober 2021 über die Vergabe des Stipendiums. Mitglieder der Jury sind Ingo Držečnik (Verleger, Elfenbein Verlag), Dr. Basil Kerski (Direktor des Europäischen Solidarnoćś Zentrums Danzig und Stiftungsratsmitglied der Allianz Kulturstiftung), Prof. Dr. Kader Konuk (Leiterin der Akademie im Exil, Universität Duisburg-Essen), Dr. Thomas Sparr (Editor-at-Large Suhrkamp Verlag, Beiratsmitglied Stiftung Brandenburger Tor) und Jackie Thomae (Schriftstellerin).

Bewerben können sich Schriftsteller*in aus Europa und dem Mittelmeerraum, wenn Sie in Ihrem Herkunfts- oder Aufenthaltsland gefährdet sind. Aus aktuellem Anlass möchten wir zudem Autor*innen aus Afghanistan einladen, sich zu bewerben.

 

Der Torschreiber 2019: Galal Alahmadi

Die Stiftung Brandenburger Tor und die Allianz Kulturstiftung vergaben 2019 ihr gemeinsames Stipendium Torschreiber am Pariser Platz an den jemenitischen Autor Galal Alahmadi. Der 1987 in Saudi-Arabien geborene Schriftsteller lebt seit März 2016 mit seiner Familie im Exil in Deutschland. Galal Alahmadi wurde 2019 mit insgesamt 12.000 Euro unterstützt und erhielt zudem für zwei Monate einen Aufenthalt im Literarischen Colloquium Berlin (LCB). Im Rahmen des Stipendiums arbeitete Galal Alahmadi an seinem ersten Roman: „Das von mir geplante Werk ist kein Buch über die Finsternis, sondern über das Leben in ihr. Für mich ist die Finsternis keine Zeit oder Farbe, sondern ein Ort, der sich in der Zeit erstreckt, als wäre er aus Fleisch und Blut.“

Torschreiber Galal Alahmadi © Secession Verlag

Torschreiber Galal Alahmadi© Secession Verlag

Galal Alahmadi ist nach der syrischen Autorin Rasha Habbal, die 2018 erstmals das Stipendium für Schriftsteller*innen im Exil erhielt, der zweite Torschreiber am Pariser Platz. Galal Alahmadi arbeitete als Journalist und Redakteur für verschiedene arabische Zeitungen und Magazine. Heute ist er vor allem als Schriftsteller tätig und veröffentlichte bisher vier Gedichtbände auf Arabisch. Bis 2016 war er Literaturstipendiat der Heinrich-Böll-Stiftung und erhielt im August 2017 den renommierten Mohammed-Afifi-Matar-Preis in Kairo.

 

Die Torschreiberin 2018: Rasha Habbal

Torschreiberin Rasha Habbal © Tobias Bohm

Torschreiberin Rasha Habbal © Tobias Bohm

Die Syrerin Rasha Habbal erhielt als Erste das Stipendium Torschreiber am Pariser Platz. Rasha Habbal wurde 1982 in Hama, Syrien geboren und lebt seit 2015 in Trier. Sie schreibt auf Arabisch und ist vor allem als Lyrikerin bekannt. Erschienen ist von ihr, unter anderem 2014, ein Gedichtband auf Arabisch mit dem Titel Wenig von dir… Viel vom Salz. Ihr Text Ohne Worte – Mit anderen Worten erschien 2017 in dem vom Frauenkulturbüro NRW e.V. herausgegebenen Band. Derzeit arbeitet sie an einem nach Ansicht der Jury vielversprechenden Roman über die Lebensbedingungen im Exil in Deutschland.

 

Hier sind Gedichte von Rasha Habbal zu finden, die während des Stipendiums entstanden sind.

Fotos Slider: (c) Stiftung Brandenburger Tor, Foto: Elke Jung-Wolff | (c) Tobias Bohm

Ansprechpartnerin

Caroline Armand
Leiterin des Programms Literatur
Mail an Caroline Armand

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