Übersetzung: Larissa Bender

 

Protokoll meiner Gottesansprache

Ich habe nichts begangen außer Sünden
Deshalb
Sagte ich gestern zu Gott
Ich bin traurig
Und mein Körper ist tot
Die Fische legen keine Eier mehr unter meiner Haut
Allein die Leere angelt am Ufer
Doch Gott schrie nicht
Und das Eis breitete sich aus

Wieder beging ich Sünden
Und sagte heute zu Gott
Ich verzehre mich selbst
Nur ein hungriger Mund ist übrig geblieben von mir
Ich habe Angst, lieber Gott,
Dass, wenn ich ihn esse
auf dem Teller meines Geliebten kein Abendbrot liegt
Gott weinte nicht
Und das Eis breitete sich aus

Morgen werde ich die letzte Sünde begehen
Ich werde zu Gott sagen
Ich bin ein kurzer Fluss
Doch ich bin länger als der Faden der Lüge
Meine toten Fische werden mir helfen
Sie werden ihr Maul öffnen
Werden es schließen
Und ich werde glauben, dass sie atmen
Doch der Himmel wird nicht schwimmen
Und das Eis wird sich ausbreiten

Alle Tagesschlüssel sind bei Gott
Deshalb habe ich niemals gefragt
Warum die Türen verschlossen sind
….
Draußen im Freien
Vor den Türen
Wartete ich
Wartete lange
Doch nicht ein einziges Mal
Hörte ich das Klirren der vielen Schlüssel
….
Nachts
Kamen die Wölfe aus aller Welt
Ich schlief zwischen den Fellen
Und träumte
Von einem weißen Mond
Und von einem langen Geheul
Das mich ruft
So dass zu ihm gehe
Alle Türen hinter mir lassend.

 

Ein letztes Todesblatt

Und weil der Tod an der Tür hockt
Steckte ich ihm mein Vermächtnis zu
In seine Tasche
Fern des Herzens
Unweit des Todes.

Bring mich nicht in ein fremdes Land
Lass mich nicht neben einer Frau zurück
Die mit dem Rest meines Todes schwatzt
Und dem Toten kein Auge ausschlägt
Wenn er mich ansieht
Denn er verbringt den Rest seines Todes
Mit Bedauern und verstohlenen Blicken
Streu etwas Zucker auf mein Leichentuch
Damit die Ameisen, die aus mir krabbeln
Süß werden
Und meine Nachbarinnen vergehen vor schierem Neid.

Und wenn unsere Friedhöfe von Wächtern bewacht werden
Sollen sie meinen Tod respektieren und singen
Denn hässlich sind Friedhöfe ohne das Leben.

Und stell ein Schild auf: »Bitte nicht stören!«
Denn ich möchte nicht, dass mir irgendein Dummkopf
Die Nachrichten aus der anderen Welt erzählt
Ich bin hier ausreichend damit beschäftigt
Ein Leichentuch der Gleichgültigkeit
Für unterschiedliche Anlässe zu weben.

Vergiss nicht, Tod
Mich den Vorbeikommenden zu schenken
Steck mich in die Tasche ihrer Drangsal
Und schenke mein Herz dem Liebeslosen
Er wird darin genügend Erstaunliches finden
Bevor er mich damit einholt
Und es wieder zurückgibt.

Abbildung: Rasha Habbal: Überraschungen klopfen nicht an die Tür, Auszug. Foto: Phil Miller