Arnheim Lecture

Vortragsreihe

Nächste Veranstaltungen

› Prof. Sona Tatoyan, Filmemacherin und Schauspielerin, New York, Los Angeles und Berlin
Sommersemester 2017

Die Stiftung unterstützt in Zusammenarbeit mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und dem Deutschen Akademischen Austauschdienst die „Rudolf-Arnheim-Gastprofessur“ im Kunstgeschichtlichen Seminar in der Philosophischen Fakultät an der Humboldt-Universität zu Berlin seit dem Wintersemester 2000/2001.

Diese Gastprofessur dient der Lehre und Vermittlung sowie der kritischen Reflexion der Kunstgeschichte der Gegenwart, wobei die praktische Vermittlung nicht ausgeschlossen ist. Für die Besetzung der Gastprofessur kommen ausländische Wissenschaftler und Künstler in Betracht, die an einer Hochschule, Forschungseinrichtung oder an Museen in ihrem Heimatland tätig sind.

Vergangene Veranstaltungen

› Digitales Gemüt
Ein Vortrag  Prof. Dr. Cheryce von Xylander
30. Januar 2017 | 19:30 Uhr

› The Aesthetics of Brushstrokes in Early Chinese Painting
Ein Vortrag von Prof. Dr. Wei Hu (in englischer Sprache)
04. Juli 2016 | 19.30 Uhr

› In der Stadt von Klingsor: das Rätsel von Sicligayta
Ein Vortrag von Prof. Dr. Valentino Pace
21. Januar 2016 | 19.30 Uhr

Im Rahmen dieser Gastprofessur finden die Torgespräche „Arnheim lecture“ im Max Liebermann Haus statt.

Gastprofessoren

Prof. Dr. Cheryce von Xylander, WS 2016/17

Ein Vortrag von Prof. Dr. Cheryce von Xylander
Digitales Gemüt
klingt wie ein Widerspruch in sich. Das Digitale ist topaktuell, alles Gemütliche scheint dagegen aus der Zeit gefallen. Das Digitale avancierte vor einigen Jahren, wohl erst mit dem Internet und kurz nach dem Mauerfall, zum Universalmedium unseres tagtäglichen Austausches. Das Gemüt suggeriert eine alte Weltordnung, noch von Milchkannen und Pferdekutschen geprägt, und gilt spätestens seit dem Aufstieg der Neuen Welt als überholt. Und doch werden das World Wide Web als neue Heimat verstanden und die sozialen Medien als neue Taktgeber. Die Begriffe Heimat, Takt und Gemüt sind aufs engste miteinander verflochten.

Der Vortrag betrachtet ein gern übersehenes Kapitel der visuellen Moderne. Digitales Gemüt benennt die nachhaltige Aktualität einer philosophischen Ästhetik, die von Immanuel Kant eingeleitet und zuletzt von Bill Gates feierlich kanonisiert wurde. Emblematisch ist das durch den deutschen Emigranten Otto Bettmann 1936 in New York begründete Bildarchiv. Dieses in Berlin konzipierte Unternehmen etablierte den internationalen Handel mit Bildrechten. Seine photographische Sammlung beruht auf dem historischen Bildbestand Europas und fungiert bis heute als visuelles Gedächtnis der USA im 20. Jahrhundert.

Cheryce von Xylander ist US-Amerikanerin. Sie untersucht die historische Subjektivität und Ästhetik des Wissens. Im Mittelpunkt ihrer Forschung stehen Vermittlungstechniken als selbstorganisierende Erfahrungsdimension. Sie studierte angewandte Kognitionswissenschaft, Wissenschaftstheorie und Geschichte in Stanford, Cambridge und Chicago. Nach ihrer Arbeit am Deutschen Museum in München und Forschungsaufenthalten an den Max-Planck-Instituten für Kognitions- und Neurowissenschaften, Wissenschaftsgeschichte und Bildungsforschung lehrte sie Philosophie an der Technischen Universität Darmstadt.


Prof. Dr. Cheryce von Xylander (Foto: Barbara Herrenkind, HU Berlin)

Prof. Dr. Wei HU, Tongji-Universität, Volksrepublik China, SS 2016

Born 1972 in Shanghai, China
1991-1995 Art Education Department of East China Normal University, BA
1995-1998 Art Education Department of East China Normal University, MA
1999-2002 Chinese Language &Literature Department, East China Normal University (Ph. D)
Since 1998 Professor Associate for Chinese Art History at CAUP, Tongji University
From July 2008 to June 2009 visiting scholar at the Institute of Art History, University Bern in Switzerland
From March to June 2014 12-week seminar, “The Role of the Artist in Ancient China”, Guest Professor Institute of Art History, University Bern (Switzerland)

Publications related to Chinese Art History
The Development of Thoughts of Painting during Yuan Dynasty, Tuan Jie Publish House, Beijing, 2010

Publications related to Artistic Creations
Hu Wei Paintings, Liao Ning Fine Art Publish House, Shenyang, 2013
Hu Wei Paintings, Jiangsu Renming Publish House, Nanjing, 2012
Mural Painting by Hu Wei, Arts Publish House of China, Guangzhou, 2006
Contemporary Artists in China: Hu Wei, Shanghai Huabao Publish House, Shanghai, 2006
Flowers and Birds in Painting, Beijing, 2004
Dissertations on Paintings by Hu Wei, Bai Jia Publish House, Shanghai, 2001
Paintings by Hu Wei, Shanghai Education Publish House, Shanghai, 1998

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Prof. Wei Hu

Prof. Valentino Pace, Universität Udine, WS 2015/2016

In der Stadt von Klingsor: das Rätsel von Sicligayta
Ein Vortrag von Prof. Dr. Valentino Pace

Der Dom von Ravello spiegelt noch heute den vergangenen Glanz einer Stadt wider, die ihren Ruhm auch Richard Wagner („Klingsors Zaubergärten“) verdankt und die reiche Kaufmannsfamilien im 12. und 13. Jahrhundert als Wohnsitz wählten. Zu den Werken im Dom gehört eine enigmatische Frauenbüste, für deren Identifikation der ehrgeizige und selbstbewusste Auftraggeber Nicolaus Rufolo eine Schlüsselfunktion einnimmt. Er ließ sich und seine Frau Sicligayta auf einer von ihm gestifteten großen Kanzel in der Kirche porträtieren.

Bisher kaum beachtet sind Ausdruck und physiognomische Züge der Unbekannten. Ihr geöffneter Mund lässt den Blick auf die Zähne frei, die von der Antike bis zum Ende des 13. Jahrhunderts sehr selten auf Porträts zu sehen waren. Eine Untersuchung der bildlichen Darstellung von Zähnen im Mittelalter führt zu einem tieferen Verständnis der breit angelegten Kunstauffassung des Bildhauers und zu einer Identifikation der rätselhaften Frau.

Prof. Dr. Valentino Pace ist Professor für frühchristliche und mittelalterliche Kunst am Trinity College, Rom und war bis 2014 Professor für Kunstgeschichte an der Universität Udine; als Gastprofessor hat er an den Universitäten Roma, Neapel, Heidelberg, Bonn, München, Basel, Princeton und Baltimore gelehrt. Mitglied der Norwegischen Akademie der Wissenschaften, Diplôme d’honneur der Universität Belgrad. Schwerpunkt seiner Forschungen ist die römische und süditalienische Kunst des Mittelalters.

Prof. Dr. Karen Lang, University of Southern California, Los Angeles, SS 2015

Modernes Leben und Lebensanschauungen:
Georg Simmels Monografie Rembrandt von 1916
Ein Vortrag von Prof. Dr. Karen Lang

Georg Simmel ist heute hauptsächlich als Soziologe und einflussreicher Kulturwissenschaftler bekannt, der sich mit dem Leben in der modernen Großstadt auseinandergesetzt hat. Seine zahlreichen Essays zu Kunst und Künstlern haben hingegen weniger Aufmerksamkeit erfahren. Rembrandt. Ein kunstphilosphischer Versuch war Simmels letzte Monografie und sein beliebtestes Werk.

Als Rembrandt 1916 erschien, war der Kult um den Künstler bereits geboren. In der Populärliteratur wurde Rembrandt als „deutscher“ Künstler charakterisiert.
Die Kunstgeschichtsschreibung fokussierte dabei auf der Künstlerbiografie und auf Fragen der Zuschreibung. Im Gegensatz dazu stellte Simmel die Erfahrung von Rembrandts Kunst in den Vordergrund und untersuchte deren gewaltige und fortdauernde Wirkung auf den Betrachter.

Prof. Dr. Karen Lang ist seit 2011 am Institut für Kunstgeschichte und am Forschungszentrum für Philosophie, Literatur und Kunst an der University of Warwick in England tätig. Ihr breites Spektrum an Publikationen erstreckt sich auf die Gebiete der Kunst der Moderne und der zeitgenössischen Kunst, der Ästhetik und Philosophie sowie der Geschichte der Kunstgeschichte. Von 2010 bis 2013 war sie Chefredakteurin des Magazins The Art Bulletin, der führenden Fachzeitschrift für internationale Kunstgeschichte. Im Oktober 2014 trat sie ein dreijähriges Leverhulme-Major-Research-Stipendium an.

Prof. Dr. Leonard Barkan, Princeton University, Princeton, New Jersey, WS 2014/15

Mein Berlin: Zwei Orte der Inspiration
Ein Vortrag von Prof. Dr. Leonard Barkan

Die Arnheim-Professur geht auf den Filmkritiker und Filmhistoriker Rudolf Arnheim zurück, der die Theorie des „denkenden Sehens“ und Gestaltens entwickelte. Eine hochrangige interdisziplinäre Jury beruft jährlich einen ausländischen Gastdozenten an der Humboldt-Universität. Gefördert wird diese Professur durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und die Stiftung Brandenburger Tor.

Leonard Barkan arbeitet derzeit an einem Buch, das er selbst als „Jewish love letter to Berlin“ beschreibt- einer persönlichen Hommage an die Kultur der Stadt, in der sich bis heute die historische Präsenz der jüdischen Gemeinde zeigt. Er zelebriert dabei vielmehr das Leben als die Zerstörung einer Gemeinschaft.

Er wird über zwei Orte sprechen, die ihn ganz besonders inspiriert haben. Der erste ist der Jüdische Friedhof Schönhauser Allee, den er als würdevollen Garten der Erinnerung jener Vergangenheit auffasst, in dem stolze, wohlhabende und kultivierte Juden ihre Teilhabe an der Kultur einer großartigen Stadt demonstrierten.

Der zweite Ort ist das Kaiserpanorama im Märkischen Museum, das von Walter Benjamin so wunderschön als Sehenswürdigkeit seiner Berliner Kindheit beschrieben wurde. Zusammengenommen soll dieser „Reisebericht“ sowohl das Leben einer Gemeinschaft illustrieren, als auch die Erfahrung, die Vergangenheit in der Gegenwart hervorzurufen.

Leonard Barkan ist Professor an der Princeton University und Mitglied an den Instituten für Vergleichende Literaturwissenschaft, Kunst und Archäologie sowie Englisch.
Nach seinem Studium der Englischen Literaturwissenschaft publizierte er zahlreiche, preisgekrönte Bücher über die Literatur und Bildkultur der Renaissance, unter anderem „Michelangelo: A Life on Paper, The Gods Made Flesh“ und „Unearthing the Past“. Er arbeitete als Schauspieler, Regisseur und Autor zu den Themen Essen und Wein. Er verfasste seine Memoiren über seine Zeit in Rom und arbeitet derzeit an einem weiteren persönlichen Buch, dieses Mal über Berlin.

Prof Leonard Barkan Foto Barbara Herrenkind

Prof. Dr. Leonard Barkan, Foto: Barbara Herrenkind

Prof. Dr. Jyotindra Jain, Jawaharlal Nehru University, New Delhi, SS 2014

Colonial Photography in India: The Ethnographic Lens
ein Vortrag von Prof. Dr. Jyotindra Jain

Jyotindra Jain former Professor of Arts and Aesthetics at Jawaharlal Nehru University, New Delhi, and a Visiting Professor at the Centre for the Study of World Religions at Harvard University, Cambridge (USA), is presently Rudolf Arnheim Visiting Professor at the Institut für Kunst- und Bildgeschichte at Humboldt University, Berlin.

Photography invented in 1840 in Europe entered India that same year. The story of the aesthetics and politics of the photographic image and the curious forms of its consumption under British colonial rule of India is immensely fascinating. The richly illustrated lecture will expound how, under the rubric of “knowledge itself is a form of power”, photography acted as textuality of social discourse, and as a site in which the colonial administration set up massive archives of the imaginary identities of the “People of India” and their natural and cultural heritage in an orientalist framework – sensualised fascination for albums of “dancing girls” and “Indian beauties” included.

Dr. Katarzyna Murawska-Muthesius, Birkbeck College, University of London, WS 2013/14

Caricature as Performance
Ein Vortrag von Dr. Katarzyna Murawska-Muthesius 

Caricature, which had emerged as an independent art form in the Carracci studio in Bologna, not only challenged the ideal of beauty, but also Lessing’s distinction between spa­tial and time-based arts. Unlike other art works accessible only as finished products, caricature proved suitable for being improvised in front of the audiences, whether in the studio, in royal apartments, or in artists’ cafes. It was this brevity of execution coupled with the strategy of playful distortion, which turned caricature into a performative act – an instant test of skill, but also the tool of critique and a collective engagement with the body.

Katarzyna Murawska-Muthesius teaches in the Department of History of Art at Birkbeck College, University of London. She was Curator of Italian Paintings and the Deputy Director of The National Museum in Warsaw, a recipient of the Henry Moore Institute Research Fellowship and of the Leverhulme Trust Research Fellowship. She was Guest Professor at the Institut für Kunst- und Bildgeschichte at the Humboldt Universität in Berlin in 2009.

Prof. Dr. Ladislav Kesner, Masaryk University, Brno, SS 2013

Warburg/Arnheim effect
Ein Vortrag von Prof. Dr. Ladislav Kesner

Rudolf Arnheim probably never met Aby Warburg and he never mentions him in his work, yet their respective work complements each other in some crucial aspects. One of them art historian, who called himself “psychohistorian”, the other psychologist with a deep passion for art, their personalities and ideas demonstrate possibilities for a productive interfacing between psychology and art history. Playing Warburg and Arnheim against each other may suggest ways of reinvigorating kunstwissenschaft´s troubled relation to psychology, exacerbated by the debasing and trivializing of human mind in poststructura­list and critical theory and by reductionism of neuroaest­hetics. A fictional dialogue between the two of them might suggest a model of psychology of art and perception, in which Warburg´s temporal macroscale of historical events is connected to microscale of mental events studied by Arnheim.

Ladislav Kesner is associate professor at Department of Art History, Masaryk University Brno and a free-lance curator. He was a curator of Chinese art, head of Asian Art Department and deputy general director of the National Gallery in Prague. He pursued postdoctoral research at the University of California at Berkeley and the Freer and Sackler Galleries of the Smithsonian Institution in Washington, D.C. and was senior fellow at IFK Wien (2006) and fellow at Wissenschaftskolleg zu Berlin (2007-08).

Prof. Dr. Ruxandra Demetrescu, Staatliche Universität der Künste, Bukarest, WS 2012/13

Zwischen Schichten der Erinnerung – Neue Medien in der aktuellen Kunst Rumäniens
Ein Vortrag von Prof. Dr. Ruxandra Demetrescu

Der Vortrag wird Bilder einiger engagierter, zeitgenössi­scher Künstler aus Rumänien als „lieux de mémoire“ – im Sinne von Pierre Nora – präsentieren. Vor allem in
den Neuen Medien wird sichtbar, dass im Gegensatz zur Rückkehr in den „Elfenbeinturm“ des Ateliers jetzt der Blick des Künstlers auch politisch und sozialgeprägt ist. So stehen die Beobachtung und Kommentierung urbaner und sozialer Veränderungen im postkommunistischen Rumänien im Mittelpunkt z.B. der künstlerischen Tätigkeit Josef Kiralys. Die jüngere Generation versucht die Zeitgeschichte zu thematisieren: Stefan Sava, der die Spuren des Holocaust zeigt; Alexandra Croitoru, deren kritischer Blick unbequeme politische Wirklichkeiten und kulturelle Klischees offenbart; Bogdan Bordeianu, der in den „temporären“ Landschaften die Prekarität der Wirtschaft und der Gesellschaft zu präsentieren versucht.

Ruxandra Demetrescu ist Professorin für Kunstgeschichte und Kunsttheorie an der Staatlichen Universität der Künste in Bukarest, deren Rektorin sie von 2006 bis 2012 war. Die Schwerpunkte ihrer Forschungstätigkeit sind die Kunsttheorie der Moderne und Gegenwart und die Kunst der Neuen Medien in Rumänien. Von 1999 bis 2003 war sie die erste Leiterin des Rumänischen Kultur­instituts in Berlin.

Dr. Christiane Gruber, Indiana University Bloomington, SS 2012

The Praiseworthy One: Devotional Images of the Prophet Muhammad in Islamic Traditions
Ein Vortrag von Dr. Christiane Gruber

This talk discusses a number of paintings of the Prophet Muhammad produced in Persian and Turkish lands from the fourteenth to seventeenth century. Ranging from veristic to abstract, these images represent Muhammad’s individual traits, primordial luminosity, and veiled essence. Their pictorial motifs reveal that artists engaged in abstract thought and turned to symbolic motifs in order to imagine Muhammad’s primordial origins and prophetic standing. Artists and viewers alike also were inspired by various mystical beliefs and practices, in the process seeking to express piety through both verbal and pictorial language. Within a variety of Islamic expressive cultures, paintings thus function as a powerful means (among many) for devotional engagement with Muhammad, the “praiseworthy” Prophet and Messenger of Islam.

Christiane Gruber´s primary field of research is Islamic book arts, paintings of the Prophet Muhammad, and ascension tales and images, about which she has written several books. She also pursues research in Islamic book arts, codicology, and paleography, having authored the online catalogue of Islamic calligraphies in the Library of Congress. Prof. Gruber’s third field of specialization is modern Islamic visual culture and post-revolutionary Iranian visual and material culture. Her research has been supported by a number of grants, including the Max-Planck Foundation. Prof. Gruber has done extensive research in Islamic art collections in America, Europe, Egypt, Turkey, and Iran. From 2008 to 2010, she also served as a board member of the Historians of Islamic Art Association as well as editor of the scholarly listserve H-Islamart.

Juliet Koss, SS 2011

Monumental Snapshots of a Soviet Future
Ein Vortrag von Juliet Koss

In the 1920s, as construction became a prominent feature of Soviet life and a central cultural metaphor, photography offered evidence of the labor process, of the builders of the new nation, and of their extraordinary achievements. Using these same documentary powers, photography also imbued architectural models with realism; allowing small objects to be imagined at any scale, it legitimized utopian design proposals and created images of buildings to be constructed in the gleaming Soviet future. Photographs of models played with temporality by presenting planned constructions as plausible—or as already completed. Such images documenting the design process helped build what Alexander Rodchenko in 1928 termed a “file of snapshots” to reveal The USSR in Construction, to borrow the title of the 1930s Soviet journal. Through sequencing and indecipherable scale, monumental snapshots formed a vast archive of documentary images projecting the Soviet future as photographic fact.

Juliet Koss is the author of Modernism after Wagner (University of Minnesota Press, 2010), a finalist for the College Art Association’s 2011 Charles Rufus Morey Award. Her work has been supported by fellowships from the American Association of University Women, the Canadian Centre for Architecture, the Getty Research Institute in Los Angeles, the Humboldt Stiftung, the Mellon Foundation, and the National Endowment for the Humanities; in spring 2009 she was a Fellow at the American Academy in Berlin.

Pamela Kort, WS 2010/11

Identität und Engagement in der Malerei Eugen Schönebecks
Ein Vortrag von Pamela Kort

Eugen Schönebeck wurde 1936 in Heidenau geboren. Nach einer Ausbildung zum Dekorationsmaler lernte er 1954 an der Fachschule für Angewandte Kunst in Ost- Berlin, Propagandaplakate zu malen. 1955 wechselte er an die Hochschule für Bildende Künste in West-Berlin. Schon 1962 begann er Bilder zu malen, die sich mit Deutschlands noch weitgehend unaufgearbeiteter nationalsozialistischer Vergangenheit auseinandersetzten. In seinem zunehmend moralischen Anspruch suchte Schönebeck nach einem Weg zwischen marktfreundlicher und einer dem Kommunismus dienender Kunst. Er erfand eine bahnbrechende Form des Porträts, das sowohl Ikone individueller und kollektiver Identität ist, als auch das anhaltende Engagement des Künstlers verkörpert. Unwillig, seine Kunst zu kompromittieren und überzeugt, die Möglichkeiten der Staffeleimalerei ausgeschöpft zu haben, legte er 1967 den Pinsel nieder.

Pamela Kort erhielt ihren Ph.D. in Kunstgeschichte an der University of California, Los Angeles. Sie publiziert zur deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts und kuratierte Ausstellungen wie Rodin-Beuys (2005), Darwin: Kunst und die Suche nach den Ursprüngen (2009) und jetzt Eugen Schönebeck (2011) für die Schirn Kunsthalle Frankfurt. 2010 verbrachte sie drei Monate am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte.

Prof. Dr. Esra Akcan, SS 2010

Translated! Towards Another Cosmopolitan Ethics in German-Turkish Relations     Übersetzt! Zu einer neuen kosmopolitischen Ethik in deutsch-türkischen Beziehungen
Ein Vortrag von Prof. Dr. Esra Akcan

In einer globalisierten Gesellschaft, in der die Anerkennung tradierter interkultureller Beziehungen uns ermutigt, die Normen der Moderne zu überdenken, ist es umso wichtiger, Theorien zu entwickeln, die sowohl die Spannungen als auch das Potenzial von miteinander verflochtenen Schicksalen wirksam analysieren. Der Vortrag wird eine Übersetzungstheorie vorstellen, die ein solches Bestreben umsetzen kann – eher als die verschwommenen Konzepte von Mischformen und Kulturwandel, oder die passiven Metaphern von Import und Transfer. Der Fokus wird auf der Geschichte des Austausches liegen, der die Wohnkultur in Deutschland und die in der Türkei im 20. Jahrhundert formte. Um eine Taxonomie verschiedener Erfahrungen des jeweils „Anderen“ an einem bestimmten Ort und zu einer bestimmten Zeit zu entwickeln, werden die architektonischen Arbeiten eines türkischen Reisenden in Berlin (Sedad Eldem), eines deutschen Immigranten in Istanbul (Bruno Taut) und eines „internationalen Architekten“ von Wohnbauten türkischer Immigranten in Berlin (Alvaro Siza) gegenübergestellt. Gerade durch die Übersetzung öffnet sich ein Land dem, was bisher fremd war, modifiziert und bereichert seine politischen Institutionen und kulturellen Formen, während es gleichzeitig seine lokalen Normen mit denen der anderen verhandelt. Historisch gesehen sind Übersetzungsmethoden nicht von der geographischen Verteilung von Macht zu trennen und können kaum als neutraler und fairer Austausch betrachtet werden. Daher wird Übersetzung als eine umstrittene Kontaktzone für den kulturellen Dialog definiert, in der geopolitische Spannungen freigelegt, beigelegt oder gegenübergestellt werden – eine Zone, in der sich die Möglichkeit einer neuen kosmopolitischen Ethik herausbildet oder weiter verschließen wird.
(Esra Akcan)

Prof. Dr. Esra Akcan ist Assistant Professor an der Universität von Illinois und im Sommersemester 2010 Arnheim-Professorin an der Humboldt-Universität zu Berlin. Ihren Abschluss in Architektur erlangte sie an der Middle East Technical University in Ankara, ihre Promotion schrieb Akcan an der Columbia University in New York. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Forschungsstipendien, u.a. von der Graham Foundation, der Mellon Foundation, von Carter Manny, dem DAAD und KRESS / ARIT. Akcan hat zahlreiche Fachartikel in englischen und türkischen Periodika veröffentlicht. Sie ist Gast-Herausgeberin einer Sonderausgabe von Domus zum Thema Globalisierung und von Centropa zum Thema deutsch-türkische Beziehungen. Momentan schreibt Akcan als Mitautorin an einem Buch über moderne türkische Architektur und beendet ihr drittes Buch Modernity in Translation – Thema auch hier: deutsch-türkische Beziehungen in der Wohnkultur.

Prof. Nicos Hadjinicolaou, WS 2009/10

Der Betrachter ist im Bild“? Zugänge zu Géricaults „Floß der Medusa
Ein Vortrag von Prof. Dr. Nicos Hadjinicolaou

In dem Vortrag wird die Effektivität der Anwendung einer rezeptionsästhetischen Fragestellung auf ein bekanntes Werk des frühen 19ten Jahrhunderts erwogen. Der erste Teil des Titels, in Anführungsstrichen, verweist auf das ebenfalls bekannte Buch, das 1985 bei Dumont von Wolfgang Kemp herausgegeben wurde. Ist die Berücksichtigung des Betrachters für Kunstwissenschaft und Kunst-, ja Bildgeschichte von Interesse? Und wenn ja, in welchem Sinne?

Prof. Dr. Nicos Hadjinicolaou unterrichtete als Gastprofessor an der University of California Los Angeles (UCLA), der Universidad Nacional Autonoma de Mexico (UNAM), der Universität Hamburg, der University of New York at Birmingham, der Universität von Buenos Aires und der Universität von Zypern. Von 1985 bis 2005 war er Professor an der Universität von Kreta. Hadjinicolaou war der Organisator zahlreicher internationaler Kongresse und Ausstellungen auf Kreta und in Athen, die sich dem Werk El Grecos widmeten (1990, 1995, 1999, 2005, 2007), aber auch anderen Themen (Alexander der Große in der Europäischen Kunst, Thessaloniki 1997, Der Tod Che Guevaras, Rethymno und Thessaloniki, 2002). Er ist Mitbegründer mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaften (Histoire et Critique des Arts, Paris, 1977, Society of Greek Art Historians, 2003

Anna Konik, SS 2009

Gespräch mit Ariane Beyn, Leiterin der Sparte Bildende Kunst des DAAD

Von diesem Abend an bis zum 21. Mai 2009 wird die Arbeit „The Villa of the Entranced“ (2009/2010) zu sehen sein, die während des Aufenthaltes von Anna Konik als Fellow im Wissenschaftskolleg zu Berlin 2008/2009 entstand. Die Villa des Wissenschaftskollegs zu Berlin im Bezirk Grunewald – einem großbürgerlichen Viertel, in dem vor dem Zweiten Weltkrieg viele jüdische Familien wohnten – ist heute ein Ort, an dem herausragende Wissenschaftler aus der ganzen Welt für ein Jahr zurückgezogen nachdenken können. Diesen Ort mit seinen illustren Bewohnern untersucht Anna Konik in ihrer Arbeit The Villa of the Entranced als eine Pforte zu einer anderen Wirklichkeit. Für sie bezaubert diese Villa ähnlich wie Jorge Luis Borges‘ Bibliothek von Babel, den Besucher durch ihr Modell eines Universums aus Texten, die die Gesamtheit aller möglichen Gedanken darstellen. Bei Borges heißt es: „Sämtliche Bücher, wie verschieden sie auch sein mögen, [bestehen] aus den gleichen Elementen: dem Raum, dem Punkt, dem Komma, den zweiundzwanzig Lettern des Alphabets. … In der ungeheuer weiträumigen Bibliothek gibt es nicht zwei identische Bücher.“

Diese neueste Video-Installation von Anna Konik knüpft an frühere Projekte an – Transparency (2002/2004), In the Middle of the Way (2001-2007 work in progress), oder Our Lady`s Forever (2007) handelten von Einzelschicksalen und all dem was mit einem flüchtigen Blick nicht wahrnehmbar ist. Im Unterschied zu früheren Arbeiten bezieht sich das Projekt The Villa of the Entranced nicht auf bestimmte menschliche Schicksale, sondern konzentriert sich auf die Emotionalität eines Ortes.

The Villa of the Entranced besteht aus mehreren Simultanprojektionen. Der Raum und die Fortbewegung des Betrachters darin sind die Elemente, nach der sich die Wahl des Standortes der Projektionen ausrichtet. Die Bewegung verbindet sie miteinander und der so erschlossene Raum bezieht sich auf die architektonische Form des Gebäudes der Villa, wie es bereits bei der ersten Präsentation des Projektes in der Nationalgalerie Zachęta in Warschau (2009) zu sehen war. Indem der Betrachter durch eine Tür in die Projektion der Fassade eintritt, überschreitet er eine imaginäre Grenze zwischen der äußeren realen und der inneren illusionistischen Welt. Der Betrachter taucht ein in eine Reihe assoziativer, vervielfältigter Reflexionen und Spiegelungen des Hauses und seiner Elemente. Die Projektionen haben keine lineare Konstruktion und keinen Zeitverlauf. Es ist eine Betrachtung des Inneren – eine Interiorisierung der Ansicht. Die Kamera liefert keine objektive Sicht, sie ist eine weitere Vervielfältigung. Die Tonspur dient zur Verstärkung dieser Vervielfältigung und lässt sie unwirklich erscheinen: Eine Kakophonie aus Tönen, archivierten Vorträgen oder Geräuschfragmenten, die durch das Gebäude und seine Bewohner erzeugt werden. Es ist eine visuelle und tonale Dekonstruktion und Fragmentierung logischer Gedankenstränge, die sich auf eine Vielzahl möglicher Räume und Labyrinthe des Geistes beziehen.

Anna Konik, 1974, Lives and works in Berlin, in Warsaw and in Dobrodzien (www.annakonik.art.pl)

Anna Konik creates video installations, and her technique combines video semidocumentary,installation, performance, and sculpture. The realm in which Konik operates is very hard to verbalize. The material of her work is that which is invisible yet still perceptibledesires, emotions, indefinable intuitions; an inner world accessible through dreams, the poetic imagination and mental introspection; inner pain and one’s silent grappling with it. Her protagonists are people existing on the fringes of reality, inconspicuous and sometimes wholly transparent. Konik directs viewers‘ attention to those aspects and spheres of existence that they are unwilling to acknowledge: loneliness, confusion, disease, oversensitivity…In terms of form, space plays an important role in Konik’s works and it is consciously constructed to organically coexist with video projections. Time and simultaneity of the projection create yet another important element in video work of this artist.

(Text by Sabina Sokolowska, published in „New Phenomena in Polish Art after 2000“, eds. Grzegorz Borkowski, Adam Mazur and Monika Branicka (Warsaw: Centre for Contemporary Art, Ujazdowski Castle, 2007)

Prof. Patricia Rubin, WS 2008/09

“Che è di questo culazzino!” Michelangelo and the inverted gaze in Renaissance art
Ein Vortrag von Prof. Patricia Rubin

What sort of beautiful bottom might this be? That is the question, adopted here from the judicial testimony of a young man in late fifteenth-century Florence whose attractive bottom had been repeatedly touched by a salacious shopkeeper. In art history the question might be provoked by the provocative bottom reproduced in a print by Agostino Veneziano after a figure in Michelangelo’s (long lost) cartoon of the Battle of Cascina. The engraving exists in more than one state, which is testimony to its popularity. The questions to be asked of this figure include the reasons for its selection and reproduction. What did it provoke in the tactile imaginations of its viewers? Its genealogy is also worth questioning: the figure is a contemporary invention, it betokens modernity not antiquity. More important, perhaps, is its place as a subject or object of attention. Isolated or inserted into a narrative, it is not rhetorical – it does not lead into a story, but attracts and absorbs notice. This paper will investigate the motif of the male buttocks, of the figure without face that emerges a protagonist in the Italian imagination in the third quarter of the fifteenth century and that soon achieved canonical status in Renaissance art.

Patricia Rubin is Professor of Italian Renaissance Art at the Courtauld Institute, where she is also Deputy Director and Head of the Courtauld Institute of Art Research Forum. She has published on fifteenth- and sixteenth-century Italian art, with books on Giorgio Vasari: Art and History (Yale University Press, 1995) and Images and Identity in Fifteenth-century Florence (Yale University Press, 2007).

David Elliott, SS 2008

In Praise of Impurity: Universalism versus Geo-aesthetics in Contemporary Art
Ein Vortrag von David Elliott

Starting with genetic theory, research and a consideration of pre-and early history, this talk examines different kinds of pictorial creativity and how influence is, and always has been, spread through art and different kinds of cultural interchange. Only relatively recently in our history has this „natural“ state of affairs been disrupted by essentialist ideas of nationhood which have stressed the separateness and hierarchy of cultures as well as their lack of permeability. This, along with the socio-political theories and actions that are embedded in such convictions, has had disastrous historical effects and, in spite of recent theories of „globalization,“ has continued, in a debased form, to the present. Now, as before, it is the normal and desirable state of one culture to beg, steal and borrow from other cultures. This, and that fact that all culture – even one’s own – has to be acquired, means that an openness of mind and willingness to learn are the basic tools that are needed to appreciate and enjoy what is best in the contemporary cultures of the world.

David Elliott is a freelance curator and writer concerned primarily with modern and contemporary art based in London, Berlin and Istanbul. He is presently a Guest Professor in Art History at the Humboldt University, Berlin, and in Museum Studies at the Chinese University in Hong Kong. He is also the artistic director and curator of a number of travelling exhibitions of contemporary art.

Giovanna Zapperi, WS 2007/08

„Die mechanische Venus. Der weibliche Automat im Zeitalter technischer Reproduzierbarkeit

Für die Avantgarde hat die Figur der mechanischen Frau als Verkörperung der Technik gewirkt, wie sich am Beispiel von Francis Picabia „Fille née sans mère“ (1915) zeigen läßt. Dieses Thema hat zu neuen Formen in den zeitgenössischen Auseinandersetzungen mit Körper, Technik und Geschlecht geführt.

Dr. Giovanna Zapperi hat in Siena Kunstgeschichte studiert und an der L’Ecole des Hautes Etudes en Sciences Sociales in Paris über „Künstlerischen Strategien und Maskulinität. Marcel Duchamp zwischen Avantgarde und Massenmedien, 1909 – 1924“ promoviert. Sie lehrte zuletzt an den Universitäten in Lille und Tours. Im Wintersemester 2007/2008 ist sie Gastprofessorin an der Humboldt-Universität Berlin und gab Seminare zu den Themen: „Becoming-machine: technology, automatism, and the body in 20h century art“ und „Between avant-garde and mass-culture: New York Dada 1913-1923“.

David Craven, SS 2007

„Prometheusbilder von José Clemente Orozco und Peter Paul Rubens. Der Transatlantische Bilddiskurs gegen den Krieg und das Imperium“

Prometheus war lediglich während einiger weniger Epochen ein bedeutendes Thema der Kunstgeschichte. So vor allem im 17. Jahrhundert in Europa und im 20. Jahrhundert in Lateinamerika. Bezeichnenderweise unterstreichen diese beiden transatlantischen Hauptbewegungen, in denen Prometheus’ Unsterblichkeit thematisch behandelt und bekräftigt wurde, eine tiefere ideologische Vorstellung – so wie auch bei der Neuverwendung von pathosformelen, wie Aby Warbug sie bezeichnet hat. In jeder dieser Kunstepochen begegnen wir einem bildkünstlerischen Programm, das mit Militarismus und den Folgen des Aufbaus von Großreichen sehr kritisch umgeht. So war dies mit dem Prometheus von Peter Paul Rubens von 1611 und anderen Darstellungen der Barockzeit der Fall, sowie auch bei den Gemälden von José Clemente Orozsco von 1930 oder Arnoldo Belkin von 1985. Der Vortrag wird sich mit der weitgreifenden Bedeutung dieser Darstellungen beschäftigen und ihre umfassende historische Bedeutung näher ausführen.

Prof. Dr. David Craven ist Professor für Kunstgeschichte an der University of New Mexico. Er ist Experte für „Kritische Theorie” und für die Kunst und Kultur Lateinamerikas, der USA und Europas im 19. und 20. Jahrhundert. Als Autor hat er mehrere neben Artikeln und Kritiken Katalogaufsäzte u.a. für die Tate Gallery, das Oxford Art Journal und das Museo Antiguo Colegio San Ildefonso in Mexiko verfasst.

Brice Curger, WS 2006/07

„Wechselstrom – Kunstvermittlung im Spannungsfeld zwischen Gegenwartskunst und Kunstgeschichte“

Bice Curiger plädiert für eine partnerschaftliche Beziehung zu den Künstlerinnen und Künstlern. Dies im Gegensatz zu einer herrschenden Meinung, die besagt, dass „objektive“ Auseinandersetzung mit der Kunst und deren Vermittlung einzig aus persönlicher oder zeitlicher Distanz zu leisten sei. Am Beispiel der künstlernahen Publikation „PARKETT“ sowie des neuen Konzepts der Museumszeitschrift „Tate etc.“ wird dargelegt, wie die Kunst als zeitgenössischer Impulsgeber ernst genommen wird und in welcher Weise sie als Inspiration hinter den publizistischen Projekten steht. Die Referentin wird auch einige Ausstellungsprojekte vorstellen, deren unkanonischer Blick auf die neuere Kunstgeschichte einem in der Gegenwartskunst verankerten Denken entspringt.

Bice Curiger, Mitbegründerin und seither Chefredakteurin der Kunstzeitschrift PARKETT. Seit 1993 Kuratorin am Kunsthaus Zürich mit zahlreichen Ausstellungen. Seit 2004 Editorial Director des Magazins der Tate Gallery in London, „Tate etc“. Mit dem Titel „Kunst expansiv – zwischen Gegenkultur und Museum“ erschien 2002 bei Lindinger + Schmid eine Auswahl ihrer Schriften. Bice Curiger besetzt im Wintersemester 2006/2007 die Rudolf Arnheim-Gastprofessur am Kunstgeschichtlichen Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin.

Dr. Anna Wessely, SS 2006

„Laszlo Moholy-Nagy und die neue Linie“.

In dem Vortrag geht es um Moholy-Nagys Berliner Periode zwischen seiner Tätigkeit am Bauhaus und seiner Emigration nach England. „die neue linie“ war eine vom September 1929 ab herausgegebene Frauenzeitschrift, wofür Moholy-Nagy bis 1933 insgesamt 10 Titelblätter entwarf.

Anna Wessely, Kunsthistorikerin und Soziologin, Professorin für Soziologische Theorie an der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest, Herausgeberin der interdisziplinären kritischen Zeitschrift BUKSZ (Budapest Review of Books).

Ali Akay, WS 2005

“The Individuation Process of Singularity“

The lecture will expound the problem of the notion of singularity in the process of individuality which means the possibility of rewriting the relationship between the society and the individu. Gabriel Tarde, sociologist in the end of the 19th century was maybe the first one after the philosopher Leibniz, to take the individu not into the society but in contrary of the sociological habitus to have a lecture of societies into the individu. Simondon was the important one to problematize the metastability of the individu on the process. The lecture will turn around the concept of the process of individuation of the singularity

Prof. Ali Akay ist Professor der Philosophie, Soziologie und Kunstgeschichte in Istanbul. Er war im WS 2004/2005 im Rahmen der Gastprofessor in Berlin.

Dr. Almut Bruckstein, WS 2003/04 und SS 2004

„Bella auf dem Kopf: Rabbinisches Bilderdenken und Chagall“

Die jüdische Tradition ist – entgegen der landläufigen Vorstellung – nicht nur bilderkritisch, sondern in ihrem rabbinischen und mystischen Erzählsträngen von einem eminenten und faszinierenden Bilderdenken geprägt, welches in der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte weitgehend verdeckt geblieben ist. Chagalls Bilderwelt – kopfstehende Liebespaare, fliegende Tiere, fallende Engel – korrespondiert mit einer Welt jüdischer Sprachbildlichkeit, die in ihrer a-linearen und assoziativen Vorstellungskraft auf enge Weise den hermeneutischen Strukturen visueller Anschauung verpflichtet ist.

Prof. Dr. Almut Bruckstein lehrt seit 1994 jüdische Philosophie an der Hebräischen Universität in Jerusalem; sie ist Initiatorin von Ha’ Atelier – Werkstatt für Philosophie und Kunst. Z.Z. ist sie Rudolf Arnheim-Professorin an der Humboldt Universität. Gegenwärtig arbeitet sie zum Verhältnis der jüdischen Tradition zur Frage des Bildes, zur Visualität und zur Bildenden Kunst.

Musikalisches Programm: Ensemble Plus Vite spielt zwei Werke nach Texten von Marc Chagall

Bojana Pejic, SS 2003

(ohne Vortrag)

Dr. Frank Fehrenbach, WS 2002/03

„Berninis Licht“ Begabungslehre, Naturphilosophie und die Ästhetik „lebendiger Skulpturen“

Dr. Frank Fehrenbach studierte in Tübingen und Basel. Er promovierte 1995 mit einer Arbeit über Leonardo da Vinci, wofür er 1996 den Hans-Janssen-Preis der Göttinger Akademie der Wissenschaften erhielt. Nach Forschungsaufenthalten in Rom und Florenz ist er z.Z. als Gastprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Sein derzeitiger Forschungsschwerpunkt ist die „Lebendigkeit als ästhetische Kategorie in der Bildenden Kunst des 13. – 18. Jahrhunderts. Zahlreiche Veröffentlichungen zu Leonardo da Vinci und der Naturphilosophie der Renaissance runden sein Profil ab.

Er war der dritte Gastdozent im Rahmen der Arnheim-Professur an der Humboldt-Universität im WS 2002/2003.

Prof. Dr. Barbara Stafford, SS 2002

„Artificial Intensity: Images, Instruments and the Technology of Amplification“

Prof. Dr.Barbara Maria Stafford studierte in Chicago, Paris und London Philosophie, Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte. Sie lehrt heute an der University of Chicago. Frau Stafford arbeitet zu Kunst- und Bildtheorien seit dem späten 17. Jahrhundert. Ihr Interesse gilt dabei vor allem den Schnittstellen zwischen den Künsten und Wissenschaften. Sie ist die zweite Gastdozentin im Rahmen der Arnheim-Professur an der Humboldt-Universität im SS 2002

Prof. Sarat Chandra Maharaj, WS 2001/2002

„XENO – Epistemics: Sounding Visual Art Modalities in the Retinal Age“

Prof. Sarat Chandra Maharaj im WS 2001/2002 der erste Gastdozent an der Humboldt- Universität zu Berlin. Er wurde in Durban, Südafrika, geboren, studierte Bildende Kunst und Kunstgeschichte, lehrt am „Goldsmiths‘ College“ der University of London sowie der „Jan Van Eyck“ Akademie in Maastricht. Prof. Maharaj war Co-Kurator der Documenta 11, Kassel 2002

Projektbeschreibung

Die Arnheim-Gastprofessur geht auf den Filmkritiker und Filmhistoriker Rudolf Arnheim zurück, der die Theorie des „denkenden Sehens“ und Gestaltens entwickelte. Im Rahmen dieser Gastprofessur finden die Torgespräche „Arnheim lecture“ im Max Liebermann Haus statt.

Ansprechpartner

Sebastian Pflum

Leiter Kooperationen und Veranstaltungen

Fotos

Galerie: Barbara Herrenkind

Slider: Jenny Weidt